Linux Mint- das bessere Ubuntu?

Seit ca 12 Jahren verwende ich k-/xubuntu (davor lange Zeit openSuse). Aber seit den letzten Versionen stoßen mir einige Dinge ziemlich sauer auf, deshalb wurde es Zeit, sich nach etwas Neuem umzuschauen.

Verschiedene Linuxe?

Zur Erläuterung für Linux-Einsteiger: Bei Windows ist es üblich, dass es eine Oberfläche gibt. Wie die auszusehen hat, gibt Microsoft vor. Diese Oberfläche kann angepasst werden, aber es gibt Dinge, die in anderen Betriebssystemen integriert sind, hier aber fehlen. Teilweise kann dies nachgerüstet werden, aber nach einem größeren Update sind diese Änderungen wieder verschwunden. Es gibt auch nur das eine aktuelle Windows.

Unter Linux ist das anders: Es gibt nicht das eine Linux, es gibt eine Vielzahl von Distributionen und Oberflächen. Vereinfacht gesagt ist eine Distribution eine Zusammenstellung von vorinstallieren oder einfach nachinstallierbaren Programmen.
Das kann Segen und Fluch zugleich sein. „Fluch“ weil Einsteiger bei der Vielzahl von „Linuxen“ einfach mit der Auswahl überfordert sind. „Segen“ weil jeder sein eigenes Betriebssystem haben kann. Es kann bis in den letzten Winkel angepasst werden. (Konstruktivisten würden Freudensprünge machen!)

Für Einsteiger sind die Distributionen am einfachsten, bei denen alles für den Arbeitsalltag benötigte enthalten ist, z.B. (Libre) Office, Firefox, Thunderbird, etc. Außerdem sollten viele nützliche Programme ohne große Systemkenntnisse nachzuinstallieren sein. Experten schätzen hingegen die Möglichkeit, auch wirklich jede einzelne Kleinigkeit anpassen zu können.
Zudem gibt es Spezial-Linuxe, die sehr geringe Hardwarevoraussetzungen haben. Gerade Kleinstgeräte (z.B. FritzBox, Ticketlesegeräte,…) laufen häufig mit einem spzialisierten Linux.

Oberflächenzirkus

Wer mich bei der Arbeit beobachtet, kann sehen, dass ich in ganz vielen schwarzen Textfenstern irgendwelche kryptischen Befehle eintippe. Nun, auf Servern ist aus verschiedenen Gründen selten eine grafische Benutzeroberfläche installiert.

Unter Windows gibt es wieder nur die eine grafische Benutzeroberfläche, ob sie einem gefällt oder nicht. Ich denke hier an die minderwertigen geistigen Ergüsse z.B. von Windows 8. Auch das Bedienkonzept von Windows 11 ist mir ziemlich fremd. An manchen Stellen kommt es mir vor wie „Wir müssen etwas ändern, nur um der Veränderung wegen- nicht, weil es Sinn macht.“ Mal wird vom Mac etwas abgeschaut und versucht nachzubauen, mal gibt es die Versuche, die Tabletbedienung auf dem Desktop nachzubauen.

Unter Linux habe ich mal wieder die Qual der Wahl. Ich kann wahlweise eine grafische Benutzeroberfläche nehmen, die genauso schnell neue Bedienkonzepte einführt. Ich kann wählen zwischen Tablet-ähnlicher Bedienung, zwischen macOS-ähnlichen oder Windows-ähnlichen Benutzeroberflächen. Die meisten sind aber sehr klassisch in der Bedienung, soll heißen: ich muss mich nicht in jeder Version komplett umstellen.

Ubuntu vs Linux Mint

Ubuntu ist angetreten, um die Bedienung und Installation von Linux viel anwenderfreundlicher zu machen. Das hat in den ersten Jahren auch sehr gut geklappt. In den letzten Jahren wurden jedoch Entscheidungen getroffen, die nicht im Sinne der Linux-Gemeinschaft (Community) waren.

Gerade der Punkt mit dem Snap Store ist in der neusten Version ziemlich nervig. Das führt dazu, dass Dateien zwischen zwei Snap-Programmen nicht direkt ausgetauscht werden können (Rocket.Chat und Thunderbird, aber auch Thunderbird und Firefox machen Probleme). Da hört der Spaß für mich wirklich auf-schließlich ist mein Laptop ja auch ein Arbeitsgerät. (Snap ist übrigens ein Paketmanangement- damit können Programme einfach installiert und deinstalliert werden.)

Nach einer Empfehlung von meinen Arbeitskollegen Ji Min und Simon habe ich mir auf meinem privaten Laptop jetzt Linux Mint installiert. Ich war sofort verliebt darin. Keine Probleme mehr mit Snaps. Die beiden Paketmanager sind apt und flatpak- und diese funktionieren sehr gut.

Linux Mint – auch hier gibt es Wahlmöglichkeiten

Es gibt 3 Benutzeroberflächen: Cinnamon, XFCE und MATE.
Cinnamon basiert auf Gnome, ist der die Standardbenutzeroberfläche von Linux Mint. XFCE kennen meine Kunden schon von xubuntu. Dies ist seit Jahren meine Standarddistribution für Kunden, Kollegen und für mich.

XFCE eignet sich gut für Geräte, die technisch nicht so gut ausgestattet sind. Es werden sehr wenig Ressourcen verwendet, dafür sind bei Cinnamon mehr Funktionen enthalten (z.B. so etwas wie Desklets, also kleine Programme, die irgend etwas auf dem Desktop anzeigen). Außerdem lenkt XFCE nicht so sehr vom eigentlichen geschehen ab.
Cinnamon hat mir sehr gut gefallen, MATE habe ich zwar kurz installiert, gefällt mir aber nicht. Am Ende habe ich mich für XFCE entschieden. Ausschlaggebender Grund ist meine Arbeitsplatzausrüstung. Ich arbeite mit 3 Monitoren und breite die Taskleiste über alle Monitore aus. Das funktioniert bei Cinnamon nicht. Ich habe versucht, eine zweite Taskleiste mit den gleichen Elementen, wie die erste zu bauen- ohne Erfolg. Außerdem hatte ich Probleme, eine zweizeilige Uhr einzurichten (erste Zeile Uhrzeit, zweite Zeile Datum)- oder zwei verschiedene Uhren. Das Uhrenproblem konnte ich über Umwege lösen, aber die Taskleiste kann nicht über mehrere Monitore gespannt werden.

Sehr gut gefallen hat mir an Cinnamon hingegen die Möglichkeit, den im Laptop eingebauten Monitor einen anderen Skalierungsfaktor als bei dem 23″ und 27″ HD-Monitoren einzustellen. Dann hätte ich mir den Kauf einer Arbeitsbrille sparen können. Mit XFCE muss ich jetzt den Laptop etwas näher ranrücken. Hier gibt es zwar ebenfalls unterschiedliche Skalierungsfaktor, aber irgendwie funktioniert das nicht.

Probleme

Ich möchte nicht verheimlichen, dass es bei der Installation Probleme gab. Zum einen konnte ich Linux Mint nicht mit meinem Multisystem USB Stick installieren. Oder anders gesagt, die Installation hatte noch funktioniert, aber das System bootete dann nicht. Ich habe es dann von SD-Karte installiert.

Das zweite aufgetretene Problem war die 2. SSD im System. Mein Ziel war, dass beide SSDs verschlüsselt sind, da ich häufig mit personenbezogenen Daten arbeite und diese nicht in falsche Hände geraten dürfen. Ich habe keine genaue Lösung gefunden, wie ich bei der Installation beide SSDs gleichzeitig verschlüssen kann. Ich habe dann bei der Installation die erste SSD verschlüsselt und nach dieser Anleitung die zweite Festplatte nachträglich verschlüsselt. Funktioniert hervorragend.
Zwei kleinere Dinge muss ich noch einrichten und dann kann ich wieder damit wie gewohnt arbeiten!

Fazit

Ich sage es mal so: Diesen Text schreibe ich bereits mit meiner ersten Linux Mint-Installation. Ich werde mich auch nachher noch im Mint-Forum anmelden.
Alles in allem bin ich megazufrieden. Ich setze mich dafür ein, auf Arbeit in Zukunft ebenfalls Linux Mint einzusetzen (statt xubuntu).

Wert sich einmal selbst ein Bild von Linux Mint machen möchte: https://linuxmint.com/

(Das Linux Mint Logo stammt von wikipedia, dort stammt es von der Linux Mint Website und ist unter CC BY 3.0 veröffentlicht: https://de.wikipedia.org/wiki/Linux_Mint#/media/Datei:The_Linux_Mint_Logo.svg )

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