Wie ist mein Zwischenfazit nach 9 Monaten Wärmepumpe im Altbau?
Die kurze Antwort: sehr positiv. – Ende von Teil 3…
Nein, Spaß beiseite, dafür brauche ich keinen extra Artikel schreiben. Es gibt Dinge, die hätten wir von Beginn anders gemacht und andere, die wir genauso wieder machen würden.
Die Kosten
Wenn ich jemanden erzähle, wie viel der komplette Umbau gekostet hat, werde ich für verrückt erklärt, dass wir so viel bezahlt haben. Also fangen wir einmal anders herum an.
Zum Einen haben wir uns verschiedene Varianten (Solarthermie, Solarthermie+ Pellets, Pellets, Pellets+Gas, Wärmepumpe+Gas, Gas) anbieten und durchrechnen lassen, zum Anderen haben wir gerade für die Variante Gas und Wärmepumpe+Gas ein Alternativangebot erstellen lassen. Auf Grund des komplexen Aufbaus des Hauses (siehe auch Teil 2) und der dadurch zusätzlich erforderlichen Maßnahmen hätte der Ausbau der Ölheizung (inkl. Öltank) und der Einbau einer Gasheizung ~21k€ gekostet. Klingt viel, aber jedem, den ich Vor-Ort zeige, warum das so kompliziert ist, versteht es zumindest dann. Diese 21k€ hätten von uns komplett selbst getragen werden müssen. Die Gasheizung verursacht jedes Jahr mehr Kosten durch steigende CO2-kosten. (Und ich spreche jetzt noch nicht darüber, was das Gas mit unserer Umwelt macht und das man damit Despoten unterstützt.)
Für die Variante Wärmepumpe ohne Zusatzheizung haben wir lediglich einen zusätzlichen Eigenanteil von ~13,6k€ bezahlt. Wenn die CO2-Abgabe nicht weiter steigen würde, hat es sich im Vergleich zu Öl das Geld nach ca 19,4 Jahren amortisiert. (Im Jahr ca 700€.) Im Vergleich zu Gas kommt in etwa das gleiche heraus.
Überschlagsrechnung
Ich bin Optimist mit Erfahrung, also Pessimist, deshalb habe ich eine pessimistische Schätzung gemacht:
Die Berechnung erfolgt auf Grund einer geschätzten Ölmenge von ca 3000l Heizöl. Im ersten Jahr haben wir 4000l Heizöl gebraucht. Wir haben aber verschiedene Anpassungen vorgenommen (teilweise neue Fenster, teilbereiche neu gedämmt, besodners das Dach, usw). Deshalb die neue Berechnung mit 3000l Heizöl. Ich habe mir im Sommer zu einem (Öl-)günstigen Zeitpunkt einen Stichtag herausgesucht. Also einen Zeitpunkt, zu dem das Öl so günstig wie noch nie in dem Jahr war und habe ausgerechnet, wie viel 3000l Heizöl kosten.
Dann habe ich nachgeschaut, wieviel Energie (in kWh) 3000l Heizöl haben. Dies sind (wieder positiv für das Öl gerechnet) 30.000kWh.
Wenn ich ausschließlich mit einem Heizstab heizen würde, bräuchten wir 30.000kWh (elektrische Energie), um das Haus genauso zu wärmen. Das liegt daran, dass ein Heizstab einen Wirkungsgrad von 100% hat, oder eine Arbeitszahl von 1.
Kleiner Ausflug in die Physik
Eine Wärmepumpe funktioniert aber grob gesagt, wie ein umgekehrter Kühlschrank. Man muss sich einfach vorstellen, die offene Seite des Kühlschrankes steht draussen, während die Seite mit der Wärmeabgabe innen steht. (Ein Wärmepumpen-Ingenieur möge mir diesen plumpem Vergleich bitte nachsehen!) In Wahrheit ist noch ein bischen mehr Technik dran, aber das Grundprinzip ist schon so. Und jetzt der Kniff: Wärme ist ja auch eine Form von Energie und ich kann aus der Luft Energie wegnehmen und die woanders hin transportieren. Wärme ist ncihts anderes als (ungerichtete) Schwingungen von Atomen oder Molekülen. Ich muss also diese Schwingungen nur abfangen und weiterleiten. Die Energie in der Luft ist ja da, weil selbst bei z.B. 0°C noch Schwingungen von Molekülen und Atomen vorliegt. der absolute Nullpunkt, wo es keine Schwingungen mehr gibt, liegt bei ca -273°C (oder 0 Grad Kelvin). Also sind 0°C so ziemlich genau 273 Grad Kelvin und damit noch eine ganze Menge Schwingungen. Bis wohin genau eine Wärmepumpe noch gut funktioniert, kann ein Wärmepumpeningenieur genauer sagen.
Zurück zum eigentlichen Kniff: Ich brauche jetzt nur einen Kompressor, der das Medium (Wasser im Kreislauf) in den „falschen“ Aggregatzustand pumpt und bei der Rückkehr in den „richtigen“ Aggregatzustand wird der Umgebungsluft Wärme entzogen. (OK, ich brauche noch einen Lüfter, um die Luft dadurchzupumpen.) Dann noch ein bischen Elektronik, einen Wärmespeicher und fertig ist das ganze Prinzip.
Jetzt bin ich vom eigentlichen Thema abgekommen… Wenn ich jetzt betrachte, wie viel kWh Wärme (im Wärmespeicher) ich aus 1kWh elektrischer Energie bekomme, bekomme ich die Arbeitszahl- als Erinnerung, bei einem Heizstab ist diese genau 1.
Realistische Arbeitszahlen
In meiner Berechnung von oben bin ich von einer Jahrsarbeitszahl von 3 ausgegangen, dann würden wir 10.000kWh brauchen. Wärmepumpenstrom ist günstiger als „normaler“ Haushaltsstrom, wir zahlen pro Monat inkl. Grundgebühr 223€ (für Ökostrom).
Aber welche Zahlen erreicht unsere Wärmepumpe?

In dem gezeigten Bild zeigen die orangen Balken die elektrische Energieaufnahme, der grüne Balken die Wärmeabgabe der Wärmepumpe. Wenn man also den grünen durch den orangen Balken teilt, erhält man die Arbeitszahl. Wenn das für das ganze Jahr alle grünen zusammenzählt und diese durch alle zusammengezählten orangenen teilt, erhält man die Jahresarbeitszahl.
Zur zeitlichen Einordnung: Wir haben unsere Wärmepumpe seit ungefähr dem 20. März, das Bild geht bis zum 12. Dezember 16:30. Die unterschiedlichen Verbräuche entstehen zum einen durch die unterschiedlichen Außentemepraturen und ob Gäste in unserer Ferienwohnung sind. Für uns ist die Summe der grünen Balken 13.276kWh, die der orangenen 3.393,3kWh. Die Arbeitszahl bis jetzt beträgt also 3,9. Diese wird natürlich schlechter, wenn wir deutlich unter 0 Grad (und das den ganzen Tag) liegen. Bis gestern zeigte unserer Zähler für die elektrische Energie 4.108kWh. (Die Unterschied zu den 3.393,3kWh erklärt sich hierbei durch die auch bei anderen Heizungsformen bestehenden Umlaufpumpen, der Steuerung und anderen Verbrauchern, die zu dem Heizungskreis gehören. Diese dürfen für den Vergleich zwischen verschiedenen Heizungsformen nicht mit herangezogen werden, weil diese dort ja auch bestehen.) Es sind jetzt ziemlich genau 9 Monate um, und selbst wenn wir ab heute ausschließlich mit dem Heizstab heizen würden, kommen wir mit meinen pessimistisch angenommenen 10.000kWh deutlich hin. Wir sparen also mehr als 700€ im ersten Jahr. Alle weiteren Jahre sparen wir mehr, da der CO2-Preis weiter steigen wird, und dieser bei elektrischer Energie so nicht auftritt. Eine realistische (finanzielle) Amortisation kann ich erst nach 10 Jahren genauer berechnen, aber wahrscheinlich hat sich bis dahin die Maßnahme amortisiert.
Ich merke gerade: für die anderen Pro-Wärmepumpe-Argumente muss ich doch noch einen weiteren Artikel schreiben. Also auf zu Teil 4.
