Umzug von E-Mailadressen

Bald ist wieder Digital Independence Day. Wer seiner Familie einen Umzug von einem Schnüffelanbieter von E-Mail-Adressen hin zu empfehlenswerten, datenschutzkonformen Anbietern ermöglichen möchte, findet hier Tipps zum Umzug. #did

Disclaimer: Dieser Beitrag richtet sich explizit an alle Familienadmins (m/w/d) und ich erhalten keinen cent für diese Empfehlungen.

Auch Anfänger finden Hinweise zum Verfahren, ich empfehle aber, die Schritte von versierten Anwender:innen ausführen zu lassen. Es ist keine Schande, sich helfen zu lassen.

Warum sollte ich das machen?

Inzwischen werden bei vielen E-Mail-Anbietern E-Mail-Nachrichten durchsucht, um ein genaues Profil der Nutzenden zu erstellen. Dabei geht es nicht nur darum, personalisierte Werbung zu vermeiden, sondern auch darum, unsere Demokratie zu verteidigen. Eine genauere Erläuterung befindet sich hier: https://di.day/de/faq

Welcher Anbieter soll es sein?

Es gibt eine große Auswahl an deutschen oder europäischen Anbietern, die eine eigene Infrastruktur betreiben und die vor dem geheimen Zugriff von amerikanischen Sicherheitsbehörden geschützt sind. Manche dieser Anbieter sind spezialisiert auf Komplettpakete mit Hosting, andere wiederum sind ausschließlich Anbieter von E-Mail-Adressen.

Eins haben alle diese Anbieter gemeinsam: Sie sind nicht kostenlos. Während bei anderen Anbietern wir mit unseren Daten bezahlen, fällt ein wirklich kleiner Beitrag von meist nur 1-3€ pro Monat an.

Wer auf der Suche nach einem reinen E-Mail-Anbieter ist, sollte sich die Empfehlungsecke von Mike Kuketz anschauen: https://www.kuketz-blog.de/empfehlungsecke/#email-anbieter

Wer zusätzlich, z.B. für seine Firma eine Website benötigt, findet ein passendes Angebot für Webhosting bei folgenden Anbietern:

(Diese Liste ist nur als Beispiel, nicht als vollständige Liste zu verstehen.)

Umzug planen

Dies ist der aufwendigste Schritt. Dabei sind folgende Fragen zu klären:

  • Wann soll der Umzug stattfinden?
  • Was sollte umgezogen werden? (nur Mail oder auch weitere Dienste wie Kalender, Aufgaben, Adressbuch, etc)
  • Wie sollen die Daten umgezogen werden?
  • Wie wird die neue Adresse bekannt gegeben?
  • Soll die alte Adresse noch erhalten bleiben?
    • Werden die Mails dann automatisch weitergeleitet oder abgeholt?
    • Wie lange soll die alte Mailadresse erhalten bleiben?

Praktische Wege für den Umzug alter Mails

Ich habe zwei praktische Wege ausprobiert, um die alten E-Mails in das neue Postfach zu bringen. Es gibt mit Sicherheit mehr und auch bessere Wege, ich kenne beide beschriebene Wege und habe diese bereits mit Erfolg verwendet. Wer mehr Wege kennt, kann gerne einen Kommentar hinterlassen.

Wenn beide Postfächer per IMAP angesprochen werden können, ist es möglich, die E-Mails entweder mit Thunderbird un den Bordmitteln zu kopieren.

Der alternative Weg ist, ein Tool wie imapsync zu nutzen. Gerade bei vielen Ordnern und verschiedensten Konfigurations-Optionen kann dies der zuverlässigere Weg sein. Speziell bei Problemen wie hakelige oder langsame Internetverbindung.
Ich habe mich für diesen Weg entschieden, dazu später mehr.

Ist das alte Postfach per POP3 abgerufen worden und liegen die Mails in irgendeinem Programm, dessen Daten in Thunderbird importiert werden können, gibt es aber auch Hoffnung. (Einfach Thunderbird verwenden!)

Umzug mit Thunderbird

Funktioniert tatsächlich mit Bordmitteln. Einfach beide E-Mailkonten in Thunderbird als separate, unabhängige E-Mail-Konten einrichten (kein gemeinsamer Posteingang).

Mit Thunderbird-Bordmitteln gibt es einen einfachen, aber aufwendigen Weg: Bei jedem Ordner des alten Kontos mit Rechts-Klick das Kontextmenü aufrufen und dann ‚Kopieren in‘, das neue Konto und den jeweils übergeordneten Ordner auswählen. JE nach Ordnergröße kann das sehr, sehr lange dauern. Für kleinere Postfächer geht das aber fix.

Umzug mit imapsync

Dies ist ein kleines, aber extrem mächtiges Kommandozeilentool für Linux.
(Ja, die Nutzung ist auch für andere Betriebssysteme möglich, aber ich arbeite ausschließlich mit Linux, deshalb hier die Beschreibung für Linux.)

Kleiner Disclaimer am Rande: Ich bin aus der Lizenz nicht ganz schlau geworden, weil es OpenSource ist und in den Nutzungsbedingungen auch steht, dass das Tool keine Einschränkungen hat, aber der Entwickler schreibt, dass die Nutzung bezahlt werden soll. Für mich stellt sich die Frage bei einem guten Tool nicht, ob ich dafür bezahle, da ich weiß, wie viel Arbeit das ist. Hier der Hinweis dazu: https://imapsync.lamiral.info/#buy_all

Der Quellcode befindet sich hier: https://github.com/imapsync/imapsync – weitere Informationen hier: https://imapsync.lamiral.info/

Zunächst muss das Tool installiert werden- hier ein Beispiel für Ubuntu, Linux Mint und Debian:

wget https://imapsync.lamiral.info/dist2/imapsync.deb # Datei herunterladen
sudo apt install ./imapsync.deb # heruntergeladenen Datei installieren 
imapsync # um die Installation zu testen

Und jetzt müssen die Daten beider Postfächer zusammengetragen werden. Gerade so Infos wie Pfadtrennzeichen (bei Dovecot meist ‚.‘) und Startordner (meist “-also leerer Ordner) sind wichtig. Und schön ist auch, dass man zuerst einen Trockenlauf machen lassen kann. Dabei steht auch, wie lange es voraussichtlich dauert und es ist gut zu sehen, was genau das Tool erledigen würde.

Und wenn die Verbindung abbricht: Kein Problem, einfach das Tool neustarten. Kein Problem mit doppelten oder kaputten Mails!

Hier ein paar Beispiele für die passenden Kommandos:

/usr/bin/imapsync \
  --host1 alter.provider --port1 993 --user1 alte-email@alter.provider --password1 altes-password --ssl1 \
  --host2 neuer.provider --port2 993 --user2 neue-email@neuer.provider --password2 neues-passwort --ssl2 \
  --prefix1 "" --prefix2 "" --sep2 . --sep1 . \
--include '.*' \
  --syncinternaldates --dry
 | Parameter | Erklärung |
 |-----------|-----------|
 | `/usr/bin/imapsync` | Pfad zum `imapsync`-Befehl. |
 | `--host1 alter.provider` | **Quell-IMAP-Server** (z. B. dein Dovecot-Server). |
 | `--port1 993` | **Port des Quellservers** (993 = Standard-IMAPS-Port). |
 | `--user1 alte-email@alter.provider` | **Benutzername für den Quellserver**. |
 | `--password1 altes-password` | **Passwort für den Quellserver**. |
 | `--ssl1` | **SSL/TLS-Verschlüsselung für den Quellserver** aktivieren. |
 | `--host2 neuer.provider` | **Ziel-IMAP-Server** (z. B. Posteo). |
 | `--port2 993` | **Port des Zielservers** (993 = Standard-IMAPS-Port). |
 | `--user2 neue-email@neuer.provider` | **Benutzername für den Zielserver**. |
 | `--password2 neues-passwort` | **Passwort für den Zielserver**. |
 | `--ssl2` | **SSL/TLS-Verschlüsselung für den Zielserver** aktivieren. |
 | `--prefix1 ""` | **Kein Präfix für Quell-Ordner** (z. B. kein `INBOX.` vor Ordnernamen). |
 | `--prefix2 ""` | **Kein Präfix für Ziel-Ordner**. |
 | `--sep1 .` | **Trennzeichen für Quell-Ordner** (Punkt, z. B. `Familie.Heinz`). |
 | `--sep2 .` | **Trennzeichen für Ziel-Ordner** (Punkt, Posteo-kompatibel). |
 | `--include '.*'` | **Alle Ordner einschließen** (RegEx: `.` = jedes Zeichen, `*` = beliebig oft). |
 | `--syncinternaldates` | **Original-Datum/Zeit der Mails beibehalten**. |
 | `--dry` | **Testlauf** (keine Änderungen, nur Simulation). |

Ohne --dry wird das ganze in echt ausgeführt. Wenn dies auf einem Server per ssh ausgeführt wird, eignet sich ein Terminal-Programm, dass dies im Hintergrund ausführt, oder man führt es direkt im Terminal mit nohup im Hintergrund aus:

nohup /usr/bin/imapsync \
  --host1 alter.provider --port1 993 --user1 alte-email@alter.provider --password1 altes-password --ssl1 \
  --host2 neuer.provider --port2 993 --user2 neue-email@neuer.provider --password2 neues-passwort --ssl2 \
  --prefix1 "" --prefix2 "" --sep2 . --sep1 . \
--include '.*' \
  --syncinternaldates &

Für weitere Hinweise zu dem Tool verweise ich auf die offizielle Doku: https://imapsync.lamiral.info/#doc

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