Heimautomatisation- wasndasfürnquatsch?

Vorab: Ich bin kein Freund von Heimautomatisation. Meine Vorurteile sind: zu teuer, viel zu abhängig von irgendwelchen Herstellern, meine Daten sind nicht sicher und der Energieverbrauch steigt, anstatt zu sinken.

Ausgangssituation

Deshalb war bisher mein Gedanke: Heimautomatisation ist nicht nötig.

Am Beispiel Heizung erklärt: Es gibt eine Lüftungsverordnung- kein Scherz, es gibt eine Verordnung für das richtige Lüften. Ich finde gerade nicht den richtigen Link, aber in der Lüftungsverordnung steht im Prinzip:

  • Querlüften oder Stoßlüften
  • nicht Kipp lüften
  • Zeit:
    • Winter 5 min
    • Herbst, Frühjahr 10 Minuten
    • Sommer 15 Minuten
  • 3x am Tag lüften
  • und direkt nach jedem Auftreten von zusätzlichen Wasserdamp z.B.
    • Duschen
    • Kochen
    • öffnen von Spülmaschine
  • beim Lüften Heizung aus

Die Temperatur von Wohnräumen sollte am Tag nicht 21°C überschreiten, in der Nacht nicht 17°C, Flure können kälter sein.
Türen zu kälteren Räumen sollten geschlossen bleiben. Bei Nichteinhaltung kann es unter Umständen zu Schimmelbildung kommen.

In unserer Ferienwohnung ist noch kein Schimmel aufgetreten. Damit das auch so bleibt, reservieren wir nach jedem Gast mindestens einen Tag die Ferienwohnung, um nochmals gründlich zu lüften.

Bisher hatten wir auch meistens Glück mit Gästen, die die Temperatur nachts oder bei längerer Abwesenheit herunterregeln, aber eben nur meistens. In zwei Fällen hatten wir extrem hohe Heizkosten. Ich konnte das nie in Zahlen fassen, lediglich durch das Laute und andauernde Pfeiffen durch den Öffnungsgrad eines Thermostates und der Anzahl der Heizvorgänge des Brenners.

Ich möchte in Zukunft solche Kosten verhindern und diesen Winter mit dem vorhanden Öl noch auskommen, bevor wir nächstes Jahr eine Wärmepumpe bekommen. Das ist meine Ausgangssituation.

Problem 1: Datenschutz

Wie eingangs erwähnt: Problematisch sind die meisten Hersteller. Es geht meist darum, den Kunden zum einen den größten Komfort anzubieten und gleichzeitg zu schauen, welche Funktionen am meisten verwendet werden (ggfls. werden noch weitere Dinge mit den Daten veranstaltet). Größter Komfort bedeutet: Zentrale an Netzwerk und Strom anstöpseln, Geräte anmelden, App installieren, fertig.

Dabei werden so einige Daten gesammelt- das wäre mal eine Aufgabe für Mike Kuketz… Mit diesen Daten könnten zumindest Informationen über Größe der Wohnung/ Haus, der dort wohnenden Personen und ähnliches gesammelt werden, ggfls. noch mehr.

Problem 2: Abhängigkeit von einem Hersteller

Stellen Sie sich einmal vor, Sie kaufen eine Brotmaschine, diese funktioniert aber nur mit dem Brot eines bestimmten Bäckers. Klingt absurd? Das ist aber Alltag in der Heimautomatisation. Im Prinzip müssen Sie sich vorher anschauen, welcher Hersteller welche Produkte bedienen kann oder Sie können nur die Produkte eines Herstellers kaufen.

Aufmerksame Leser wissen, dass dieses Argument nicht zu 100% stimmt. Inzwischen gibt es Allianzen, aber es gibt noch einige Systeme, die nicht alles bedienen können. Im schlimmsten Fall benötigt man mehrere Apps, um alles bedienen zu können.

Ob das aber in Zukunft so bleibt oder ein Hersteller pleite geht und neue Produkte nicht mehr eingepflegt werden können, kann Ihnen niemand versprechen. Ggfls werden Unterstützungen auch entfernt. Oder Sie können Ihre bereits gekauften Produkte überhaupt nicht mehr bedienen.

Problem 3: Der Energieverbrauch steigt

Selbst wenn Sie die Geräte bestmöglich aufeinander abstimmen, können die Geräte meist nur das, was Sie selbst auch schon können: z.B. die Heizung ausschalten, wenn das Fenster geöffnet wird. Theoretisch wäre es auch möglich, die Wohnung aufzuheizen, wenn Sie auf dem Nachhauseweg sind, aber selbst das verbraucht nur mehr Energie, als wenn Sie erst wärmer stellen, wenn Sie bereits zu Hause sind. (Das Runterregeln lohnt sich übrigens nicht für Fußbodenheizungen.)

Zudem benötigen alle Regler, alle Meßgeräte und besonders auch die Zentralsteuerung Energie, unter Umständen jede Menge. Entweder werden die Regler und Meßgeräte mit Batterien versorgt oder über ein Netzteil- beides ist alles andere als ökologisch. Die Zentralsteuerungen benötigen in der Regel ein Netzteil.

Problem 4: Ist zu teuer

Jede Anschaffung ist mit Kosten verbunden- das ist klar. Aber die Heimautomatisation treibt da schon seltsame Blüten. Es gibt (neue) Heizkörperthermostate ab 70€ das Stück. Rechnet man das für ein komplettes Haus, kommen so zusammen mit Batterien und der Zentrale, ggfls Repeatern und Fenstermeldern (Fenster auf/zu) ganz leicht über 1000-2000€. Die laufenden Stromkosten nicht eingerechnet. Für mich hat das immer so das Gefühl von: Ich bin faul, ich kaufe etwas, was ich auch schon kostenlos hätte haben können.

Kompromisslösung

Eine Lösung kann also nur ein Kompromiss sein. Entweder habe ich eine Komfortlösung und die Daten liegen irgendwo und ich bin dem Hersteller ausgeliefert oder ich muss mich selbst darum kümmern.

Mein erster Gedanke war, ich installiere openHAB und kann damit alles steuern, was ich möchte. Ich habe dann aber festgestellt, dass openHAB zwar eine Verbindung (Bridge) zwischen unterschiedlichen System darstellt und ich tatsächlich Systeme miteinander verbinden kann, aber unter Umständen die jeweilige Zentrale zusätzlich brauche. Damit ist das erst einmal für mich flach gefallen.

Ich habe mich dann für Homematic entschieden, ein System, auf das ich durch die Firma elv aufmerksam geworden bin. Wohlgemerkt, Homematic, nicht Homematic-IP. Dafür gibt es einige Geräte in guten Zustand auf dem Gebrauchtmarkt (siehe Problem 4). Die Steuerungssoftware habe ich dann erst einmal auf einen Raspberry Pi 2B installiert. Ich hatte noch einen hier herum liegen. Für den Raspberry Pi gibt es die Software RaspberryMatic– diese sieht zwar nicht so modern wie openHAB aus, kann aber alles notwendige. Ursprünglich hatte ich noch probieren wollen, ob ich die Dockervariante nutzen kann. Leider muss ich dafür auf meinem Docker-Server noch Kernel-Module installieren, aber in einem laufenden System? Besser nicht…

Ich wollte aber kein extra Netzteil verwenden- wegen den zusätzlichen Stromkosten. Also muss eine andere Lösung her. Ich habe die Einstellungen exportiert und einen alten Raspberry Pi 1 eingerichtet (Ja, dafür gibt es auch RaspberryMatic)- diesen konnte ich dann mit dem USB-Anschluss meiner FritzBox versorgen. Schnell noch eine Image-Sicherung der SD-Karte und dann die Daten eingespielt, die Heizungsthermostate angelernt und programmiert.

Die Homematic-Heizungsthermostate sollen eigentlich mit Batterien versorgt werden, dass sehe ich aus ökologischen Gründen nicht ein. Auch wenn die Laufzeit mit Akkus nur halb so lang sein soll laut Erfahrungen im Internet, nehme ich Akkus.

Die Ersteinrichtung gestaltete sich etwas schwieriger, durch Probieren bin ich aber zum Ziel gekommen. Jetzt ist es möglich, die maximale Temperatur auf 22°C zu begrenzen (außer Bad, da gilt 23°C) und außerdem eine Tag/Nachtschaltung zu aktivieren.

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